Pes Planovalgus bei Kindern

Knick-Senkfüße sind bei Kindern sehr oft vorhanden. Meistens handelt es sich um einen physiologischen (normalen) Zustand, der sich im Laufe der ersten 10‒12 Lebensjahre spontan korrigiert. In machen Fällen bleibt jedoch diese Entwicklung aus, sodass die Abflachung des Längsgewölbe verbleibt. Zusätzlich stellt sich die Ferse in Valgusstellung (Knickstellung) ein, was zu einer Verkürzung der Achillessehne führt.

 

Diagnose/Ursachen

Die kindliche Knick-Senkfuß-Fehlstellung lässt sich erst ab dem 6. Lebensjahr zuverlässig beurteilen, da bis zu diesem Alter eine Knick-Senkfuß-Stellung der Füße physiologisch ist, d. h. dem normalen Entwicklungsverlauf entspricht.

 

Meistens sind die Kinder symptomlos. Die Fehlstellung fällt vorrangig den Eltern auf, die besorgt einen Arzt aufsuchen. Insbesondere wird von den Eltern der Einwärtsgang der Kinder beschrieben. Nur in seltenen Fällen werden von den betroffenen Kindern Schmerzen angegeben. Diese treten dann durch die Verkürzung der Achillessehne sowie durch die Überlastung der das Längsgewölbe des Fußes aufrichtenden Tibialis-posterior-Sehne auf. Die Schmerzen werden vor allem unter der Ferse sowie am Innenrand des Fußes nach längerer Belastung empfunden.

 

Bei der klinischen Untersuchung werden die Längswölbung des Fußes sowie die Stellung der Ferse zum Unterschenkel beurteilt und die Verkürzung der Achillessehne beschrieben. Das Too-many-toes-Zeichen gibt zudem Aufschluss über das Abweichen des Fußes nach außen. Durch den funktionellen Jack-Test kann ein flexibler Knick-Senkfuß beurteilt werden. Die Überprüfung des Zehenspitzenstandes im sog. Heel-rise-Test erlaubt eine zusätzliche funktionelle Beurteilung der Flexibilität. Eine neurologische Untersuchung, um sekundäre Ursachen auszuschließen, schließt die klinische Untersuchung ab. Das Ablaufmuster der Schuhsohlen und die Beurteilung, wie sich die Belastung auf ggf. vorhandenen Einlagen verteilt, geben weitere Aufschlüsse über die Fußfehlstellung.

 

Um das Ausmaß der Deformität zu messen und den Erfolg einer Behandlung zu beurteilen, werden Röntgenaufnahmen der Füße im Stand angefertigt. Anschließend werden auf den Röntgenaufnahmen die entsprechenden Winkel ausgemessen und der Grad der Fehlstellung dokumentiert. In Jahres- bzw. Zwei-Jahres-Abständen können dann die Entwicklung der Fehlstellung klinisch sowie über die Röntgenaufnahmen verfolgt und der Therapieerfolg überprüft werden.

 

Therapie

Konservativ

Die konservative Therapie ist bei einem flexiblen und noch im Wachstum befindlichen Knick-Senkfuß die Therapie der ersten Wahl. Sie besteht aus Gleichgewichtstraining, orthopädischen sensomotorische Einlagen, ggf. Spiraldynamik und dem eigenverantwortlichem regelmäßigen Fußmuskeltraining.

 

  • Gleichgewichtstraining

Das Gleichgewichtstraining und speziell der Einbeinstand ist ein essenzieller Bestandteil jeder Fußtrainingsform. Im Einbeinstand werden sowohl sensomotorische als auch koordinative Fähigkeiten verbessert sowie die langen und kurzen Fußmuskeln gekräftigt. Je nach Trainingserfolg kann dann die Intensität gesteigert werden. Dafür ist der Einbeinstand mit geschlossenen Augen möglich. Durch weitere Zusatzaufgaben, z. B. im Einbeinstand einen Ball hochzuwerfen und zu fangen, kann die Trainingsintensität zusätzlich gesteigert werden.

 

  • Sensomotorische orthopädische Einlagenversorgung

Im Gegensatz zu den klassischen, stützenden Einlagen werden von uns sensomotorische Einlagen empfohlen, da über die prallelastischen Polster der sensomotorischen Einlagen neben den rein mechanischen Effekten vor allem auch die Fußmuskeln aktiviert werden.

 

  • Spiraldynamik®

Ergänzend sind in Ausnahmefällen spiraldynamische und osteopathische Behandlungen möglich. Kern der Spiraldynamik ist, die spiralförmigen Muskelschlingen zu stärken, die zur Aufrichtung des Fußes und der Körperhaltung dienen.

 

  • Fußmuskeltraining

Gleichzeitig wird der Patient aufgefordert, die Fußmuskulatur aktiv und koordinativ, z. B. mit Training auf einer Slackline, zu fördern. Das Fußmuskeltraining sollte zusätzlich zum Training des Einbeinstands spezielle Übungen zur Kräftigung der das Längsgewölbe bildenden Muskulatur beinhalten. Damit wird nicht nur die Fußfunktion insgesamt verbessert, sondern die gesamte Beinachse trainiert.

 

Zur Veranschaulichung und Anleitung empfehlen wir die folgenden Videos:

 

Aktivierung des Längsgewölbes. www.youtube.com/watch?v=j- VusnDf6aI

Aufrichtung Knickfuß und Beinachse. www.youtube.com/ watch?v=YDwUxsZooDc

Kurzer Fuß nach Janda. www.youtube.com/watch?v=OaUF­FYCJUJ0

 

Operativ

Die operative Therapie des flexiblen Knick-Senkfußes ist nur bei Patienten indiziert, die auf die konservative Therapie nicht ansprechen. Wenn sich ein Fuß unter der konservativen Therapie bis zum 10.–12. Lebensjahr nicht aufgerichtet hat, bleibt die Fehlstellung unverändert und kann schon im jugendlichen Alter symptomatisch werden. Der optimale Operationszeitpunkt liegt daher um das 11. Lebensjahr herum.

 

Bei dem operativem Vorgehen wird am Fußaußenrand über einen ca. 2 cm langen Schnitt eine Schraube in das Fersenbein (Calcaneus) eingebracht. Diese Schraube blockiert das untere Sprunggelenk, d. h., wenn der Fuß zu stark einknickt, stößt der Schraubenkopf am Sprungbein an, und der Fuß wird reflektorisch aufgerichtet. Für die Kinder ist das nicht schmerzhaft und geschieht unterbewusst. Zudem wird das Fersenbein durch die Schraube zu einem gewissen Längenwachstum angeregt, sodass sich die äußere Fußsäule verlängert und der Plattfuß damit aufgerichtet wird.

 

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung erfolgt unter sofortiger Vollbelastung. Die Schraube wird nach 2‒3 Jahren entfernt. 

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© Emrah Esmer