Sinus tarsi Syndrom

Das Sinus-tarsi-Syndrom beschreibt einen Schmerz des Fußes vor dem Außenknöchel in der hier tastbaren Grube. Dabei wird die Grube bzw. der dazugehörige Kanal (Canalis tarsi) vom Fersenbein und vom Sprungbein gebildet. Der Sinus tarsi beinhaltet einen Fettkörper, das Ligamentum talocalcaneare interosseum, einen Schleimbeutel sowie komplexe Bandstrukturen. Für die Schmerzen im Rahmen eines Sinus-tarsi-Syndroms werden daher Verletzungen und Reizzustände dieser Strukturen verantwortlich gemacht. Daher wundert es nicht, dass das Sinus-tarsi-Syndrom in 70 % der Fälle nach traumatischen Umknickereignissen beobachtet wird. Die verbliebenen 30 % werden Fußdeformitäten (Plattfüßen) oder dem Formenkreis rheumatoider Erkrankungen zugeordnet, die zu einer Reizung der Strukturen in Sinus tarsi führen. Gehäuft wird dieses Schmerzsyndrom bei Tänzern, Sportlern (Volley- und Basketball-Spielern) sowie bei schwergewichtigen Patienten beobachtet. Aber auch die Instabilität des Sprunggelenks mit Ruptur der Außenbänder führt zu chronischen Schmerzen des Sinus tarsi.

 

Diagnose/Ursachen

Der klinische Befund des Sinus-tarsi-Syndroms ist eine Schmerzreaktion, die durch Druck auf den Sinus tarsi (Grube vor der Außenknöchelspitze) ausgelöst wird und meist Folge eines Unfalls ist. Der Patient spürt häufig vor dem Außenknöchel belastungsabhängige Schmerzen, teilweise auch Ruheschmerzen. Die belastungsabhängigen Schmerzen verstärken sich häufig beim Gehen auf unebenem Untergrund oder beim Aufstehen nach längerem Sitzen. Zudem kann durch aktive oder passive Supination und Adduktion des Fußes ein Schmerz ausgelöst werden. Da die Reizung und Verletzung der Strukturen im Sinus tarsi für die Beschwerden verantwortlich gemacht werden können, beinhaltet die Inspektion und Palpation des Fußes auch immer die Untersuchung von Instabilitäten des Sprunggelenks sowie die Beurteilung von Fußfehlstellungen. Des Weiteren müssen bei posttraumatischem Schmerzzustand im Sinus tarsi Knorpelläsionen des Subtalargelenks ausgeschlossen werden.

 

Die klinische und apparative Untersuchung soll vor allem eine Instabilität im Subtalargelenk beurteilen. Hier zu werden Röntgenaufnahmen unter Stress angefertigt. Die Röntgendiagnostik wird um das MRT erweitert, um Fibrosierungen, Kapsel- und Bandläsionen im Sinus tarsi zur erkennen sowie differenzialdiagnostisch Läsionen der Peronealsehnen und des Subtalargelenks auszuschließen. Letztendlich wird zur Sicherung der Diagnose eine probatorische Injektion mit einem Lokalanästhetikum durchgeführt. Bei sofortigem (10 min) und vollständigem Rückgang der Beschwerden kann dann von einem Sinus-tarsi-Syndrom ausgegangen werden.

 

Therapie

Konservativ

Wird der Schmerz durch die probatorische Injektion mit einem Lokalanästhetikum vollständig gelindert, ist die konservative Therapie Erfolg versprechend. Hierzu wird eine Injektionsserie (5‒8 Injektionen) in ein- bis zweiwöchigen Abständen mit einem 2%igen Lokalanästhetikums (z. B. Xylonest®), vermischt mit 1 ml eines kortisonhaltigen Präparates (z. B. Volon® A 40), durchgeführt.

 

Operativ

Führt die konservative Behandlung nach 8 Injektionen über einen Zeitraum von 12 bis 16 Wochen nicht zu einem dauerhaften Erfolg, wird bei gesicherter Diagnose (MRT) die operative Behandlung empfohlen. Diese besteht vor allem darin, die entzündlichen und verletzten Strukturen des Sinus tarsi auszuräumen. Hierzu wird vor der Außenknöchelspitze über der tastbaren Grube ein Hautschnitt von ca. 5 cm Länge vorgenommen. Der Sinus tarsi wird dargestellt, und die entsprechenden pathologischen Strukturen werden debridiert.

 

Nachbehandlung

Zur Wundheilung wird eine Unterschenkelschiene angelegt. Nach etwa 8–10 Tagen wird eine rein funktionelle Behandlung mit beschwerdeadaptierter Vollbelastung durchgeführt.

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© Emrah Esmer