Brachymetatarsie

Bei der Brachymetatarsie handelt es sich um eine abnorme Verkürzung eines Mittelfußknochens, wodurch die darüberliegende Zehe zu kurz erscheint, obwohl sie eine ganz normale Länge besitzt. Dabei handelt es sich um eine seltene Deformität, die bei Frauen 25-mal häufiger zu finden ist als bei Männern.

 

Diagnose/Ursachen

Die Brachymetatarsie entsteht durch eine fehlerhafte Entwicklung am Fuß, bei der das Längenwachstum eines Mittelfußknochens (meist des 4. Mittelfußknochens) frühzeitig zum Stillstand kommt und der dazugehörige Zeh nicht ausreichend weit zur Fußspitze geschoben wird. Kosmetisch erscheint die entsprechende Zehe daher deutlich kürzer als die benachbarten Zehen. Die Brachymetatarsie wird häufig beidseits beobachtet. Allgemein wird ein genetische Ursache vermutet, dieses Phänomen kann aber auch mit anderen Erkrankungen verbunden und Teil eines übergeordneten Syndroms sein (Skelettdysplasien, Turner-Syndrom, Pseudohypoparathyreoidismus).

 

Klinisch wird von den Patienten vor allem das ästhetische Bild des Fußes als störend empfunden, weshalb sie mit dem Wunsch einer kosmetischen Korrektur den Arzt aufsuchen. Zudem führt die Verkürzung des einen Mittelfußknochens zu einer erhöhten Lastverteilung des Körpers auf die benachbarten Mittelfußknochen. Dies macht sich durch eine vermehrte Schwielenbildung und Belastungsschmerzen über dem Vorfußballen bemerkbar. Ferner erscheint die betroffene Zehe nicht nur verkürzt, sondern verlagert sich aufgrund der Störung dorsal (in Richtung Fußrücken) und kann einen schmerzhaften Schuhkonflikt verursachen. Am häufigsten ist der vierte Strahl betroffen. Die Verkürzung kann jedoch grundsätzlich an jedem Strahl vorkommen.

 

Therapie

Konservativ

Sollten die Schmerzen bei Belastung im Vordergrund stehen, kann durch eine entsprechende Einlagenversorgung mit retrokapitaler Abstützung und Weichbettung eine Schmerzlinderung erreicht werden. Bei Wunsch einer kosmetischen Korrektur ist jedoch nur das operative Vorgehen möglich.  

 

Operativ

Die Therapie besteht in der Wiederherstellung eines harmonischen Bogens der Mittelfußknochen und die daraus resultierende Verlängerung der optisch zu kurz erscheinenden Zehe. Dabei wird neben der ästhetischen Korrektur auch die Wiederherstellung der Lastverteilung über die fünf Mittelfußknochen berücksichtigt.

Abhängig von der zu korrigierenden Verkürzung werden drei etablierte Verfahren zur Verlängerung des Mittelfußknochens angeboten.

 

  • Verlängerungsosteotomie

Bei diesem Verfahren werden der entsprechende Mittelfußknochen schräg durchsägt („Sliding-Osteotomie“) und die Knochenteile gegeneinander verschoben. Dabei kann eine Länge von bis zu 10 mm ausgeglichen werden. Die Knochen werden anschließend mit einer winkelstabilen Platte stabilisiert. In der Nachbehandlung ist eine Entlastung für 6‒8 Wochen im Verbandsschuh vorgesehen. 

 

  • Interposition eines Knochenspans

Liegt die zu verlängernde Verkürzungsstrecke zwischen 10 und 15 mm, kann durch eine Verschiebe-Osteotomie keine ausreichende Stabilität und Einheilung der Knochen erreicht werden. In diesem Fall wird der Knochen quer durchsägt, die entsprechende Länge aufgespreizt und die entstehende Lücke mit einem Knochenspan geschlossen. Hierfür wird von Dr. Esmer ein Beckenkammspan, der von dem Patienten in der gleichen Sitzung entnommen wird, verwendet. Anschließend wird der Knochen mit einer winkelstabilen Platte stabilisiert. Der Heilungsindex liegt bei 40 Tage/cm Verlängerung. Die Nachbehandlung erfolgt unter Entlastung im Verbandsschuh oder Unterschenkelgips für 6‒10 Wochen.

 

  • Kallusdistraktion über einen Fixateur externe

Ist eine Verlängerung des Knochens um mehr als 15 mm notwendig, kann die Verlängerung nicht auf einmal erfolgen. Der Hauptgrund liegt darin, dass sich die umliegenden Weichteile (Gefäß- und Nerven) nicht der abrupten Längenzunahme anpassen können und einen Schaden erleiden. Des Weiteren reduziert die Verlängerung über 15 mm die Knochendurchblutung drastisch, falls die Verlängerung mit einem Mal probiert wird. Daher wird in diesen Fällen die Kallusdistraktion empfohlen. Im Gegensatz zu den o. g. Verfahren wird hier die Verkürzung schrittweise korrigiert. Hierfür wird ein Fixateur externe verwendet, der durch die Haut am Knochen verankert wird und den Knochen pro Tag um 1 mm verlängert. Die Nachbehandlung erfolgt unter Entlastung im Verbandsschuh. Abhängig von der zu korrigierenden Verkürzung kann mit einer Nachbehandlungszeit von bis zu 3 Monaten gerechnet werden. In besonderen Fällen wird für diese Zeit ein Unterschenkelgips angelegt.

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© Emrah Esmer