Achillodynie

Als Achillodynie wird ein Schmerzsyndrom der Achillessehne bezeichnet, das meist bei chronischer Überbeanspruchung (Langstreckenlauf) wie auch nach ungewohnten starken Belastungen (Aufnahme eines neuen Sportes) auftritt. Die Beschwerden klingen in der Regel in der Schonungsphase von alleine wieder ab. Sie können jedoch bei erneuter Beanspruchung jederzeit wieder auftreten. Betroffen sind überwiegend männliche Freizeitsportler.

 

Diagnose/Ursachen

Sehr häufig sind ungeeignetes Schuhwerk sowie eine abrupte Belastungssteigerung für die Erkrankung verantwortlich. Neben den äußerlichen Ursachen finden sich bei den Patienten zudem strukturelle Veränderungen der Rückfußachse (X- oder O-Stellung der Ferse, Instabilität des Sprunggelenkes, Arthrose im oberen oder unteren Sprunggelenk), die zu Fehlbelastungen der Achillessehne führen können. Sehr häufig sind Achillodynien Folge einer sog. Haglund-Exostose, d. h. einer Vorwölbung des Fersenbeines in Richtung Achillessehne.

Der Achillessehnenschmerz kann akut bei Belastung oder schleichend einsetzen. Am Anfang werden Anlaufschmerzen im Bereich der Ferse oder der fersennahen Achillessehne empfunden. Später führen Ruheschmerzen sowie eine schmerzhafte Belastungsunfähigkeit den Patienten zum Orthopäden.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt meist eine spindelförmige Verdickung der Achillessehne, ca. 2‒5 cm oberhalb der Ferse, auf. Hier ist die Sehne meist degenerativ und/oder entzündlich verändert und birgt nekrotisches, d. h. abgestorbenes Gewebe in sich. Des Weiteren kann ein Druckschmerz über dem entsprechenden Anteil der Achillessehne durch den Zangengriff ausgelöst werden. Entsprechend der Ursachenforschung werden zudem die Sportanamnese eruiert und der Fuß auf Fehlstellungen und Instabilitäten untersucht. Die klinische Untersuchung wird durch die Bildgebung (Röntgen, MRT, Sonografie) ergänzt und stützt die Diagnose.

 

Therapie

Konservativ

In der akuten Phase der Schmerzen wird eine Sportpause bzw. Trainingsänderung mit Reduzierung der Achillessehnenbelastung durch z. B. Fahrradfahren oder Schwimmen empfohlen. Ergänzend erfolgt eine orale antiphlogistische Therapie mit lokaler Kühlung der entsprechenden Areale. Die Sehne wird zusätzlich durch eine Absatzerhöhung in ihrer Grundspannung entlastet. Im Verlauf werden physiotherapeutische Maßnahmen wie die Dehnung der Wadenmuskulatur zur Selbstübung demonstriert und muskeldetonisierende Maßnahmen sowie manuelle Therapie verschrieben. Gleichzeitig wird das Schuhwerk überprüft und gegebenenfalls auf zu weiches Schuhwerk hingewiesen. Bei Bedarf werden orthopädische Schuhzurichtungen und unterstützende Einlagen entsprechend der Fehlstellungen verordnet.

 

Operativ

Sollte die konservative Therapie erfolglos bleiben, wird ein operatives Vorgehen empfohlen. Dieses kann befundabhängig nur die Achillessehne oder zusätzlich die Fehlstellungen des Fußes betreffen. Bei der operativen Versorgung der Achillessehne erfolgt eine Débridement, wobei der Schleimbeutels zwischen Achillessehne und Fersenbein (Bursa praeachillea) sowie entzündlich verändertes bzw. abgestorbenes Gewebe in der Achillessehne entfernt wird. Liegt zusätzlich eine massive Haglund-Exostose oder ein Fersensporn vor, die bei Bewegung in die Achillessehne drücken, werden diese in gleicher Sitzung mitentfernt.

 

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung erfolgt wie bei einer Achillessehnenruptur. Der Fuß wird für 6‒8 Wochen in einer Unterschenkelorthese (VACOped) ruhiggestellt, damit die Sehne heilen und sich stabilisieren kann. Nach sonografischer Kontrolle der Heilung wird die zunehmende Belastungssteigerung bis zur Vollbelastung in einem Konfektionsschuh mit einer Absatzerhöhung von 1 cm (für 3 Monate) freigegeben.

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© Emrah Esmer