Tarsaltunnelsyndrom

Beim Tarsaltunnelsyndrom ist der Schienbeinnerv (N. tibialis), der sich am Hinterrand des Innenknöchels in zwei Äste aufteilt (N. plantaris medialis und lateralis) und durch einen Tunnel (Tarsaltunnel) in den Fuß läuft, eingeengt. In der Fachliteratur wird diese Erkrankung als hinteres bzw. mediales Tarsaltunnelsyndrom bezeichnet. Beim sog. vorderen Tarsaltunnelsyndrom liegt ein Nervenengpasssyndrom (N. peroneus profundus) am Fußrücken vor und führt zu Belastungsschmerzen sowie Ruheschmerzen in der Nacht. Zusätzlich besteht eine Missempfindung zwischen der ersten und zweiten Zehe. Die Schmerzen werden durch enges Schuhwerk verstärkt.

 

Beim hinteren Tarsaltunnelsyndrom geben die Patienten vor allem Missempfindungen wie Brennen oder Kribbeln im Bereich der Fußsohle an. Da die eingeengten Nerven neben motorischen auch sensible Fasern führen, werden zudem Taubheitsgefühle über der Fußsohle bis in die Zehen beschrieben. In seltenen Fällen wird ein isolierter Fersenschmerz wie bei einer Plantarfasziitis angegeben. Dabei ist ein abgehender Nervenast (Baxter-Nerv) des N. plantaris lateralis am Rand der tiefen Faszie des Musculus abductor hallucis sowie zwischen dem Musculus abductor hallucis und dem medialen Kopf des Musculus quadratus plantae eingeengt.

 

Diagnose/Ursachen

In etwa 80 Prozent der Fälle lässt sich eine Ursache für das Tarsaltunnelsyndrom finden. Meist sind es Verletzungen oder gutartige Knochenauswüchse, die den Tarsaltunnel einengen. Gelegentlich können aber auch kleine Tumoren oder Entzündungen zu einem Engpass führen. Fehlstellungen des Sprunggelenks durch Verletzungen oder des Fußes wie bei einem Knick-Senkfuß mit abgeflachtem Längsgewölbe können die Entstehung eines Tarsaltunnelsyndroms fördern.

 

Klinisch ist bei über 60 % der Betroffenen ein Druckschmerz im Nervenverlauf am Innenknöchel mit Verstärkung der Missempfindungen auslösbar. Ein Beklopfen des Nervs (Hoffmann-Tinel-Zeichen) führt bei mehr als der Hälfte der Patienten zu elektrisierenden Missempfindungen. Die Beschwerden lassen sich zudem bei einer forcierten Eversion und Dorsalflexion (Phalen-Test) des Fußes verstärken. Bei der Baxter-Neuropathie ist im Vergleich zur Plantarfasziitis ein Druckschmerz unter dem Innenknöchel (medioplantar) auslösbar. Bei unklarem Befund kann eine Testinjektion mit einem Lokalanästhetikum am Nerv (Retromalleolarregion) Klarheit bringen. Der Nachweis einer isolierten Einengung des N. tibialis im Tarsaltunnel gelingt zudem elektrophysiologisch, indem die sensible und motorische Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) gemessen wird.

 

Therapie

Konservativ

Bei gesichertem Nervenengpasssyndrom besteht die symptomorientierte konservative Behandlung darin, den Nerv mechanisch zu entlasten. Dies kann z. B. durch Einlagen mit Supinationskeil realisiert werden. Eine Behandlung mit entzündungshemmenden und neurotropen Medikamenten wird zusätzlich verordnet. Eine therapeutische Infiltrationen mit einem Lokalanästhetikum in Kombination mit einem cortisonhaltigen Präparat kann bei Bedarf angewendet werden. Die Behandlung der Grunderkrankung (Arthrose, Fehlstellung des Fußes, rheumatoide Arthritis, Hypothyreose) ist Bestandteil der Therapie. Des Weiteren können durch osteopathische Verfahren (Myofascial Release) verspannte Fuß- und Wadenmuskeln aufgedehnt werden. Die komplette Schmerzbefreiung ist bei richtiger Diagnosestellung und Behandlungsstrategie in ca. 6 Wochen zu 90 Prozent zu erwarten.

 

Operativ

Sind die Beschwerden durch die konservative Therapie nicht beherrschbar, oder liegen schon neurologische Defizite (Lähmungen) vor, so ist die Indikation zur operativen Intervention gegeben. Die Operation besteht aus einer langstreckigen Dekompression des Nervus tibialis und seiner Äste im Verlauf des Innenknöchel bis tief in die Innenseite des Fußes. Dafür wird die Haut hinter dem Innenknöchel längsgebogen eröffnet, die Enge gelöst und der Nerv mit seinen Ästen langstreckig freigelegt.

 

Nachbehandlung

In der Nachbehandlung erfolgt die Mobilisation bis zur Wundheilung an Unterarmgehstützen. Nach abgeschlossener Wundheilung ist kein besonderes Vorgehen mehr erforderlich. Das Nahtmaterial wird am 14. Tag nach der Operation entfernt.

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© Emrah Esmer